Der Schatz unter der Brücke

Vor Urzeiten war im Lindenhof ein Gasthaus untergebracht. Und wie es in Gasthäusern nun mal so ist, ging es dort oft recht lustig zu. Eines Abends gab es eine Tanzunterhaltung für jedermann, es war bereits dunkel geworden und aus dem Saal des Gasthofs drangen Musik und Gelächter, alles in allem ein wilder Lärm.

Da kamen vom Dorf her eilige Schritte. Es war ein junger Bursche, der auf das Gasthaus zuhielt. Er war schon spät dran, und auch er wollte an der Tanzunterhaltung teilnehmen. Als er fast am Ziel angelangt war, trat ihm plötzlich ein wildfremder Mann in den Weg.

»Sage der Gesellschaft da drinnen dies und sage es Wort für Wort«, sprach der Fremde in strengem Ton. »Der Stützherndl lässt den Langschweif schön grüßen und ihm sagen, er soll morgen ins Mürztal kommen, den Richter zu begraben. Seinen Lohn möge sich hernach der Bursche bei der Bamabrücke holen.«

Lachend ging der Bursche ins Gasthaus und betrat den Tanzsaal. Dort wiederholte er die Worte, die er soeben vernommen hatte. Als er geendet hatte, sprang plötzlich vom Ofen ein schwarzer Hund. Niemand hatte das Tier bis zu diesem Zeitpunkt bemerkt. Niemand wusste auch, zu wem es gehören mochte. Die Anwesenden erschraken fast zu Tode. Bald jedoch vergaßen sie den schwarzen Hund und feierten fröhlich weiter.

Dann aber zog doch eine große Gesellschaft aus, um den versprochenen Lohn unter der Bamabrücke zu suchen. Der Bursche, der die Botschaft als erster vernommen hatte, stieg unter die Brücke – und tatsächlich fand er dort einen großen Topf. Der war jedoch nur mit rostigen Schuhnägeln gefüllt.

Als er einige daraus mitnahm, um sie lachend seinen Kameraden zu zeigen, und sie ihnen hinhielt, waren es plötzlich lauter Silbertaler. Natürlich stieg der Bursche sofort wieder hinab unter die Brücke, aber Topf fand er dort keinen mehr.

Märchenstunde
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