Die übermütigen Bergknappen

Im Feistritztalgraben arbeiteten einst zwölf Bergknappen. Die Arbeit in der Silbermine lief gut, ja so gut, dass die Knappen anfingen übermütig zu werden. Erst fingen sie an, aus Butter Kugeln zu formen, um damit Kegel zu spielen. Dann gossen sie große Kugeln aus purem Silber.

Eines Tages aber nahmen sie den Schafhalter von Rettenegg mit in die Grube. Dort fielen sie über ihn her, schlugen ihm den Kopf ab und verwendeten ihn als Kugel beim Kegelspiel.

Die Mutter des armen Knaben hatte Mohn gesammelt, freute sich über die Riesenmenge, die sie gefunden hatte, und war gerade auf dem Weg nachhause, als sie an dem Stollen vorbeikam. Dabei bemerkte sie die absonderliche Kugel, mit der die Knappen spielten.

Voll Grauen wollte sie sich abwenden, doch dann sah sie am Eingang des Stollens den toten Körper ihres Kindes und erkannte, was geschehen war. In übergroßem Schmerz schüttete die Frau ihren Topf mit Mohn aus und schrie, dass es schaudernd in den Bergen widerhallte:

»So viele Körner hier liegen, so viele Jahre soll dieser Berg kein Silber geben!«

Der Fluch tat seine Wirkung, denn gleich darauf stürzte der Stollen unter mächtigem Getöse ein und begrub die bösen Knappen unter sich. Sieben Tage lang sollte man noch ihr Schreien und Jammern aus dem Berg vernehmen. Als die Menschen daran gingen, die Eingeschlossenen zu bergen und ihnen nachgrub, verstummten die Klagen, um wenig später an anderer Stelle wieder einzusetzen.

So sehr man sich auch bemühte, die richtige Stelle zu treffen – jedes Mal schlug der Versuch fehl. Und so waren die Knappen auf alle Tage verdammt und die Silbermine bis zum heutigen Tage versiegt.

Märchenstunde
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