Die drei grauen Steine

Vor vielen, vielen Jahren lebten drei Männer in den Wäldern in der Nähe von Graz. Als sie eines Tages erfuhren, dass es auf einem Berg im Feistritztal einen sagenhaften Schatz von Gold und Edelsteinen geben soll, waren sie sofort Feuer und Flamme. Und so brachen die drei im Morgengrauen des nächsten Tages auf, um sich auf die Suche nach diesem so rätselhaften wie verlockenden Berg zu machen.

Als die Sonne hinter den Bergen des Jogllandes niedersank, erreichten die drei Abenteurer jene Stelle, wo heute die Ortschaft Strallegg liegt. Erschöpft vom langen Fußmarsch legten sie sich zur Ruhe. Anderntags – die Sonne war kaum aufgegangen – sahen die Männer bergwärts, und plötzlich glaubten sie ganz in der Nähe ein Glitzern und Glänzen und Funkeln zu erkennen. Tatsächlich! Sie waren beinahe an ihrem heißersehnten Ziel, und so jubelten sie vor Freude auf.

Je näher die Männer dem Glitzern und auch dem Gipfel kamen, umso mehr beschleunigten sie ihren Schritt, ja, sie fingen an zu laufen und stürmten geradezu bergwärts. Plötzlich stellte sich ihnen ein kleines, buckeliges Männlein in den Weg und rief:

»Hört auf mich und geht sorgsam mit Gold auf dem Berg um. Andernfalls wird es euch kein Glück bringen!«

Und was taten die Männer? Sie hörten nur auf ihre Gier und nicht auf den Zwerg. Derb stießen sie das Männchen zur Seite und stürzten sich auf den Schatz. Der erste Jubel war rasch verflogen, denn alsbald begannen sie untereinander zu streiten und um die Edelsteine zu raufen, weil ein jeder den größeren Anteil für sich haben wollte.

Immer wilder wurde der Kampf, immer derber die Flüche, die sie einander an den Kopf warfen – bis sich auf einmal der Himmel über ihnen verdunkelte, kohlrabenschwarz wurde. Dann schoss ein Komet quer über das Firmament und direkt auf die Männer zu. Mit einem gewaltigen Knall erschlug er alle drei und verwandelte sie in graue Steine.

Als solche stehen sie heute noch droben auf dem Berg über Strallegg.

Das Geheimnis der drei Wetterkreuze

Märchenstunde

Vor langer, langer Zeit lebte in Strallegg eine arme Bauernfamilie mit ihren drei Kindern in einer alten Keusche. Im Sommer mussten die Kinder – ein Bub und zwei Mädchen – in den Wald laufen, um Beeren und Pilze zu sammeln.

Eines Tages verirrten sich die Kinder im Wald. Voller Angst liefen sie durch das Unterholz. Plötzlich stolperte der Junge über eine Wurzel und stürzte auf etwas Hartes. Neugierig begannen die Kinder zu graben, und bald glänzte und funkelte es vor ihren Augen. Sie waren auf einen großen Goldklumpen gestoßen. Und so jubelten und tanzen die Kinder vor Freude, denn nun sollte ihre Not ein Ende finden.

Vor lauter Freude bemerkten die Kinder nicht, dass sich über ihnen ein gewaltiges Gewitter zusammenbraute. Der Himmel verdunkelte sich, und es begann zu blitzen und zu donnern. Die Kinder wollten unter einem Baum Schutz suchen, doch in diesem Moment zuckte ein greller Blitz vom Himmel und schlug in den Baum ein. Die Kinder wurden zu Boden geschleudert – und der Goldklumpen zerplatzte in tausend Teile.

Voller Sorge, weil die Kinder noch nicht zuhause waren, machten sich die Eltern auf die Suche. Verzweifelt riefen sie nach ihren Kindern, doch sie bekamen keine Antwort. Als es schon Abend wurde, erblickte der Vater die vom Blitz zerfetzte Buche und darunter seine drei Kinder. Die Mutter stieß einen gellenden Schrei aus, und dadurch erwachten die Kinder aus ihrer Ohnmacht.

Überglücklich, dass ihre Kinder noch am Leben waren, umarmte sich die ganze Familie. Die Kinder erzählten von ihrem wertvollen Fund und konnten tatsächlich noch drei kleine Goldstückchen finden.

Aus Dankbarkeit für die Errettung seiner Kinder ließ der Bauer drei Kreuze errichten, das restliche Gold aber muss sich noch in ihrer Nähe befinden …

 

Aufgezeichnet von: TV Strallegg 2005

Toter Mann & Totes Weib: Die Geschichte zweier reuiger Sünder

Vor endlos langer Zeit machten ein Mann und seine Frau sich auf, um von Ungarn eine Wallfahrt nach Mariazell zu machen. Sie wollten Buße tun und in der Basilika um Vergebung für ihre Sünden beten. Jedoch gedachten die zwei nicht einfach nur zu Fuß zu gehen, nein, sie beschlossen, den weiten Weg ausnahmslos auf Knien zurückzulegen.

Unterwegs wurde der Mann aber krank, und als seine Frau und er an die Wegkreuzung Strallegg – Vorau – Ratten – Miesenbach kamen, war der Pilger am Ende aller Kräfte angelangt. Auch seine fürsorgende Frau konnte ihm nicht helfen, und so sank er von den Knien auf den Bauch – und hauchte sein Leben aus.

Bauern aus der Umgebung hatten Mitleid mit der Seele des armen Sünders, und so gruben sie ihm an Ort und Stelle ein Grab. Später errichteten sie auch eine kleine Kapelle über der letzten Ruhestätte des gläubigen Mannes. Dort kann, wer will, in der Nacht vom 5. auf den 6. Jänner mit dem Teufel sprechen. Er muss nur dessen Namen dreimal laut ausrufen.

Und die Frau des Wanderers?

Die, so erzählt man sich bis heute, hat die Pilgerreise Wochen später alleine fortgesetzt. Doch auch sie erreichte ihr Ziel Mariazell nicht. Als sie das Mürztal durchwanderte, kam sie vor Erschöpfung vom Weg ab und stürzte über eine Felswand in eine Schlucht, wo sie tot liegenblieb. Seither sind die Sterbensorte des Ehepaars unter diesen Namen bekannt:

Toter Mann und Totes Weib.

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